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Was wäre das Meer ohne Schiffe

Ausstellung im Haus Metternich in Koblenz, 29. November - 17. Dezember 2013.

Interview mit Jan Schröder während der Sendung "LandesArt" (SWR3) am 23. November (hier runterladen).


Laudatio aus Anlass der Ausstellung von Jan Schröder am 29.11.2013 (Von Susanne Rockweiler)

- es gilt das gesprochene Wort -


Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

sehr geehrte Frau Enders,

lieber Jan, liebe Uta,

sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich sehr, heute mit Ihnen die Ausstellung „Was wäre das Meer ohne Schiffe“ von Jan Schroeder zu eröffnen. Es ist mir eine große Ehre mit Ihnen gemeinsam einen Blick auf das Werkschaffen dieses rheinland-pfälzischen, wichtigen Künstlers zu werfen. Gestatten Sie mir, mit einem kleinen Text der griechischen Dichterin Sappho, die um 600 vor Chr. auf der Insel Lesbos lebte, zu beginnen: Reiterscharen sagen die einen, Fußvolk andere, Schiffe seien das Schönste auf der Dunkeln Erde. Ich aber sage, was die Liebe begehrt, ist’s. Was eint dieses Gedicht mit den Arbeiten von Jan Schroeder? Es ist die Konzentration auf die großen Themen und ihre quasi metaphysische Ladung, das Wissen um Töne, um Bildkraft und um Bedeutung, also auch um die Kunst des Betörens – ohne vom Denken zu lassen – mit Sprache und Bildern. Jedes Werk, jedes gute Werk ist in seiner Überschaubarkeit ein gleichermaßen grandioser wie graziler Weltentwurf. Es sind etwas mehr als 60 Arbeiten aus 20 Jahren Schaffenskraft, die wir heute hier sehen können. es ist eine retrospektivische Werkschau, ein Auszug aus einem Künstlerleben, das von Aufbruch und Umbruch erzählt. Jan Schroeder wurde vor etwa 65 Jahren, am 17. Dezember 1948, in Bendorf geboren. Er begann zunächst Literaturwissenschaft, Volkswirtschaft, Musik und Philosophie zu studieren. 13 Jahre war er als Volkswirt für den Flughafen Frankfurt tätig; dann entschied er sich für den Aufbruch und ein Leben als Künstler ohne Netz und doppeltem Boden. Doch kommen wir zurück auf seine künstlerischen Arbeiten: Auf den ersten Blick sind die Bilder und Skulpturen von Jan Schroeder archaische, verführerisch imaginative Arbeiten rund um die Themen Sehnsucht, Freiheit, Erfüllung. Bildgewalten, die den Bogen spannen zwischen Natur und menschengesteuertem Weg. Der Künstler hat über seine Arbeitsweise selbst Auskunft gegeben: dass er meist ohne Vorgabe, ohne überlegtes Bild im Kopf beginnt, verdünnte Farbe auf die Leinwand schüttet, eine Mischung aus Sand und Ziegelmehl gewichtet und verteilt, vor dem Pinsel oder Stift Platzierungen vornimmt, kritzelt, strichelt bis durch den Malakt selbst ein Bild, Gebilde, Bilder entstehen. Erst dann setzt der Intellekt ein, dann allerdings sehr bewusst und mit höchster Anspannung. Dann setzt der Künstler seinen Vorrat an Formen ein, dann entsteht Abstraktes oder Figuratives. Man sucht in seinen Bildern vergeblich nach direkten Reaktionen auf Alltäglichkeiten, auf konkrete Situationen, auf Interaktionen zwischen Menschen. Es geht um Erinnerungen, um die Interaktion zwischen dem unsichtbaren Menschen mit der Mutter Natur, vielleicht mit sich selbst. Der Entstehungsvorgang dieser Malerei legt es nahe: Eine tiefere Persönlichkeitsschicht sucht nach Ausdruck und überträgt Vorgänge auf die Leinwand, die fern allem Anekdotischen primär und existenziell sind: Träumen, Reisen, Wechsel der Spur. Das Erlebte, das Angeeignete kommt von so tief innen, dass es dem Künstler selbst, der doch ganz klar sein will, nicht ganz erklärlich ist. In den Formen, Farben und mit archaischer Leidenschaft schimmert große visuelle Zärtlichkeit auf. Da gibt es lesbare Bilder mit verschwommenen Landschaften, als ob die Momentaufnahme aus der Bewegung entstand; das sind die neuen Bilder, die Sie in der oberen Etage sehen und auf seiner diesjährigen Irlandreise entstanden sind. Oder Schiffe, die durch das Meer pflügen, mal sind es leichte filigrane Boote, skizziert mit zwei, drei Strichen, mal schwere Galeeren aus längst vergangenen Zeiten. Die Farben sind nie poppig, nie künstlich, sondern meist geprägt von einem kräftigen Blau, diversen Rottönen und einem dunklen oder hellem Fonds. Es sind zurückgestufte Farbwerte, die gerade in ihrer Reduktion umso mehr Glanz und Wärme ausstrahlen. Gestatten Sie mir, mit Ihnen zusammen auf drei Zyklen besonders zu blicken: Bild 1 hängt in der erste Etage. Es trägt den Titel "Präcambrium I" von 1995/96, es ist 100x80cm groß und wurde in einer alten Mischtechnik aus der Freskenmalerei des Mittelalters gefertigt. Die Arbeit ist klar strukturiert, sie besteht aus drei Elementen: Einem blauen oberen Teil, er nimmt etwa 2/3 des Bildes ein, eine Art Himmel, und einen weißen, weißlichen unteren Teil. Als drittes Element tritt eine amorphe Form hinzu. Vielleicht ist es umgedrehtes Boot, vielleicht ein buckliges Urzeittierchen. Der Titel verweist auf einen Neuanfang. das Präcambrium umfasst den Zeitraum der Entstehung der Erde vor etwa 4,5 Milliarden Jahren bis zur Entwicklung der Urtiere und der Entstehung des ersten Lebewesens. Zur Entstehungsgeschichte gibt es unterschiedliche Thesen. Eine These nimmt an, dass sich das Leben aus einer Ursuppe durch chemische Reaktionen gebildet hat, andere gehen auf Kometen- oder Asteroideneinschlägen aus. Jan Schroeder nimmt dieses Brodeln in die Bildstruktur mit auf. Die Bildoberfläche ist aufgebrochen, uneben. Es entsteht Neues. Dieses Bild ist eines seiner Frühwerke, hat es sich doch 1991 entschieden, das Leben eines Volkswirtes mit dem eines Künstlers zu tauschen. Kommen wir zu einem Bildzyklus, der in diesem Jahr erst entstand. Ich habe es bereits kurz erwähnt, es sind die Reisebilder aus Irland. Sie hängen in der zweiten Etage. Da tauscht er die Ursuppe, das Element Wasser gegen das Element der Erde, des festen Bodens. Auf einem der Bilder sehen Sie einen Weg, der nicht verzweigt und undeutlich daherkommt, sondern organisch den Menschen, der ihn geht, weiterführt. Wir dürfen gespannt sein, wohin er führt. Zwischen dem Werkschaffen des Präcambrium und den Irlandbildern gibt es einen dritten Zyklus. er liegt näher am frühen Schaffen und leitet über zum abstrakten Werk, zu Bildern, die uns auf den Ursprung des menschlichen Seins werfen. Es sind kleine Farbräume, die er schafft, entstanden 2006. Vielleicht eine Art Höhlenmalerei des 20sten und 21sten Jahrhunderts, eine Verdichtung. Spontaneität und Kalkül, gewiss und ungewiss sind weitere Gegensatzpaare, die mir vor den Bildern von Jan Schroeder einfallen. Immer geht es ihnen um Impulse, Anfänge und Metamorphosen, in einer Welt, die trotz der heutigen uns umfangenden Technikdominanz letztlich von der Natur gesteuert und geprägt ist. Nicht das politische oder alltägliche Klein-Klein bestimmt unser Leben, sondern die Kraft der Natur, die uns Erdbewohnern einmal in ihrer barbarischen Stärke zeigt, wer die Menschheitsgeschicke in den Händen hält, einmal in ihrer Schönheit uns Perspektive gibt und den Weg zum Licht. Lassen Sie mich mit einem kleinen Zitat schließen. Es ist von Euripides: „Nie war ich im innern der Schiffe. Aber ich weiß von ihnen durch Worte, die ich hörte und Bilder, die ich sah“. Ich gratuliere Jan Schroeder zu dieser Werkschau und wünsche ihr viele Besucherinnen und Besucher.

Zyklus „Irland“

Seit einer Reise mit meinem Sohn nach Irland im Herbst 2012 verlagert sich der Schwerpunkt der Malerei von einer Art „phantastischem Realismus“ hin zu Landschaftsmalerei. Die Schritte hin zu dem Zyklus „Irland“, an dem ich zur Zeit arbeite ,vereinigte zunächst noch Landschaften und Phantasmen („Venus und Meer“ sowie „Kallypigos“). Die dann folgenden Bilder, „Das tosende Meer“, „Irland 1“, „Irland 2“ und „Irland 3“ folgen nur noch den Anforderungen, auf die ich die herbstliche Landschaft Irlands mich gestoßen fühlte.


Banane und Peperoncino

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Einladung zu den Offenen Ateliers


Künstlerische Neugestaltung der Brücke über den Weiher im Schlosspark Sayn

Jan Schröder wird aus Anlass der Bundesgartenschau in Koblenz im Schlosspark Sayn ein neues Brückengeländer entwickeln.

Das zur Zeit installierte Geländer ist noch ein Notbehelf aus der Nachkriegszeit. Verschiedene Spendenaktionen haben es inzwischen möglich gemacht, eine dem Schlosspark angemessene neue künstlerische Lösung zu realisieren. Aus den eingereichten Entwürfen konnte nun ein Entwurf ausgewählt werden, der den gestalterischen Vorgaben mehr als gerecht wird.

Das Geländer wird etwa sechs bis sieben Meter Länge haben, Robinie wird das dafür geeignete Holz sein.


Vorstellung der 5. Kulturaktie

Aus der Website der Koblenzer Kulturstiftung (www.kulturstiftung-koblenz.de): "Vorstellung der 5. Kulturaktie gestaltet von Jan Schröder
Am 2. Oktober wurde die 5. Kulturaktie im Rahmen der Ausstellungseröffnung form + farbe 2010 im Haus Metternich in Koblenz vorgestellt. Wir haben Jan Schröder in seinem Atlelier besucht und ihm die ersten Kulturaktien übergeben."

The Golden Factory

Aus Anlass seines 60. Geburtstages hat Jan Schroeder in seinen Atelierraeumen eine Rauminstallation aufgebaut unter dem Titel
„The Golden Factory – Zitate – Wandlungen“. Der Künstler persifliert hier und nimmt auf ironische Weise Stellung zu den Irritationen des globalisierten Kunstmarktes: Zitate von Richard Wagners „Rheingold“ mit einem Horn-Trio des Sinfonieorchesters Baden-Baden, zitiert und persifliert werden Andy Warhol mit seiner Silver Factory oder Damien Hirst mit seinem Goldenen Kalb


"The Golden Factory", Raum


"The Golden Factory", Raum


"The Golden Factory", Goldenes Kalb


"The Golden Factory", Konzert


Gold. Golden facts, golden factory. Gold bleibt Gold. Gold glänzt. Gold ist Licht. Gold und rot. Der rote Teppich. Gold auf rotem Poliment. Das leuchtet besonders intensiv. Gold ist hart. Beständig. Kostbar. Gold überhöht. Der Schatz im Rhein. Der Goldschmuck der Skythen. Gold überlebt die Zeiten, die Wechselfälle des Schicksals. Goldzähne. Danke an das Leben, das mir so viel Gegeben hat. Gracias alla vida que mi ha dado tanto. Ein vergoldetes Leben. Echtes Gold. Erfundenes Gold. Die Thermofolien der Ersten Hilfe, klein gefaltet, die Knickkanten brechen und reflektieren die Goldfläche in alle Richtungen. Wenn das Licht aus ist, werden die Folien durchsichtig und man sieht die hässliche Decke des Ateliers. Die Wirklichkeit? Das Material? Die Arbeit? Gold versteckt, Gold verdeckt. Gold verspricht ewige Treue. Gold hält. Wände und Decke flattern golden. Flattergold. Sturmgold, das sind dickere Blättchen Gold, die draußen, bei Wind und Wetter, im Leben aufgetragen werden, um die Dinge, um unser Leben schön zu machen, schöner zu machen, sichtbar zu machen. Die vergoldete Kugel auf der Punta della dogana in Venedig, die im letzten Sonnenlicht aufblitzt. Sonne und Gold. Zwischen dem Flattergold die goldenen Kälber, das goldene Kalb. Rundum vergoldet, nicht nur Schädel und Hufe, dafür kleiner, aus Ton, im Wasser und angeleuchtet. Woher kommt das Licht? Aus dem Spiegel? Gold und Licht verspiegelt, verdoppelt, vervielfacht. Im Glaskasten, im Aquarium. Kein Tanz um die goldenen Kälber, sondern Tanz zwischen ihnen. Tango und Rheingold. Im Gold hängen die Bilder. Bilder aus dem Fluss des Lebens. Goldfluss? Goldrausch. Eine unbekannte Goldader in Kolumbien und nie gefunden. Aber irgendwann brechen sie hervor, die golden facts, aus dem Kessel des Alchimisten. Und überströmen uns. Tauchen uns ein in ein Fest der Sinne. Oder ist alles nur trügerischer Schein? Oder ein goldener Käfig? Diese Fragen und Assoziationen schwirren mir durch den Kopf, während ich auf einer der rot gepolsterten Sitzbänke im vergoldeten Atelier von Jan Schröder sitze. Und auch die Frage: Geht es nun um das Gold oder um die Kunst von Jan Schröder? „Über den Stoff noch siegte die Kunst“ schreib Ovid im 2. Buch seiner Metamorphosen, als er den von Gold prangenden Tempel des Sonnengotts beschreibt. Das ist es vielleicht, was dieser Raum uns mitteilt: All dieser schillernden Facetten, Varianten und Konnotationen von Gold zeigen uns die ebenso widersprüchliche Vielfalt der Welt, die Vielfalt des Lebens, die Vielfalt im eigenen Ich, die wir zulassen, die uns durchströmt und berauscht, die uns Genuss wie auch Leiden verschafft, von der wir nicht lassen können, der wir nicht entkommen können. Jan Schröders großformatigen Holzschnitte, die in diesem Lichtrausch hängen, sind ein zugleich bescheidener wie auch selbstbewusster Hinweis darauf. Und jetzt lese ich zum zweiten Mal das Motto der Ausstellung, mit groben Strichen auf die Goldfolie gepinselt: Gracias alla vida que mi ha dado tanto. Fast ist man versucht, den Künstler wie Caspar David Friedrichs Wanderer über dem Wolkenmeer zu sehen, als sei er auf dem Höhepunkt seiner Wanderung angekommen. Was kann höher sein als Gold? Aber daran hindern uns die durchaus ironischen Zitate von Andy Warhol (Silver Factory) und Damien Hirst (das goldene Kalb wird zur kleinen Herde). Der Weg geht weiter. Und wir fragen uns voller Neugier auf die nächste Ausstellung: Was liegt hinter dem Gold? Auf jeden Fall die weiß gekalkte Decke des Ateliers. (Gesa Egge, Hamburg)

Rede von Bartori zur Austellungseröffnung


Flying Boat II

Ein fünf Meter langer Bootskörper aus Eiche, aufgestellt auf einem Stahlgerüst auf der Hafenmole von Bingen. Dieses Boot markiert quasi den Eingang zum Weltkulturerbe Oberes Mittelrhein-Tal.

"The Flying Boat II", Fotomontage

Einige Fotos vom Symposium

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Letzte Aktualisierung:
10.03.13